Barcelona – Ehemaliges Fischerviertel blüht auf

Sep 3rd, 2010 | Category: Spanien

Barcelona: Das zweite Miami Beach

Neuer Strand in Barcelona

Neuer Strand in Barcelona

Pere und seine Freunde sind stolz. “Das ist doch ein schöner Strand, den wir hier haben”, freut sich Pere, “dafür kommen wir gern um sieben aus den Federn.” Jeden Morgen machen sich die Rentner auf den Weg in die Wellen, auch im Winter, das hält fit. Bis Ende der achtziger Jahre standen hier schäbige Industrieschuppen, der kurze Strandabschnitt war dreckig, das Wasser oft eine stinkende Kloake. Doch für die Olympischen Spiele 1992 wurde die Stadt auf Vordermann gebracht, seither hat sich viel verändert in der Barceloneta: Das Wasser ist sauber, der Strand breit und gepflegt, ausgestattet mit Palmen, Papierkörben und Duschen. Pere und seine Jungs legen ihre großen Badelaken an den Strand und tauchen ab.

Auf der anderen Seite der Landzunge grenzt die Barceloneta an den alten Hafen 1, die Häuser am Kai sind saniert, im Wasser liegen die Segelboote und Luxusyachten. Wer heute die Hafenpromenade, den Passeig Joan de Borbó 2, zum Meer hinunterschlendert, kommt vorbei an edlen Lounge Bars, pakistanischen Imbissen und beschürzten Türstehern, die die Touristen in gebrochenem Englisch oder Deutsch in ihr Restaurant locken. Skater donnern gern über die gepflasterte Strandpromenade 3, die sich bis zum Port Olimpic 4 hinzieht.

Ganz neu war La Barceloneta, vom Militäringenieur Juan Martín Cermeño entworfen. Einheitlich zweistöckige Häuser für die Fischer und ihre Familien, dazwischen Straßen in rechtem Winkel. Das war weniger gute Tat als Notwendigkeit: Cermeños Vorgänger Prosper de Verboom hatte 1715 die Zitadelle für Bourbonenkönig Philipp V. zu bauen, und dafür musste er erst einmal den Stadtteil La Ribera schleifen, in dem die meisten Fischer lebten. Es wäre den neuen Herrschern zwar leicht gefallen, die Einwohner zu vertreiben, aber die Stadt brauchte Nahrung aus dem Meer. So bot man den Fischern eine neue Siedlung, die allerdings erst ab 1753 verwirklicht wurde. Mit der Industriellen Revolution machten sich hier die Werften der Nueva Vulcano und das Eisenwerk La Maquinista breit, die Fischereiflotte schrumpfte. Heute leben weiter südlich noch etwa 400 Fischer, die rund zehn Tonnen Fisch pro Tag einholen, aber ihre Zahl schrumpft von Jahr zu Jahr.

Quelle: merian.de

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